5 Gründe, warum Kinder Programmieren lernen sollten

Der Unterricht findet per Videochat statt, die Hausaufgaben werden per App kontrolliert. Per Whatsapp wird mit den Freunden gechattet und Oma bekommt schnell ein Foto von der Geburtstagstorte. Auch wenn Deutschland in Sachen Digitalisierung in vielen Bereich hinterherhinkt, wird der Alltag unserer Kinder immer digitaler – die Pandemie hat das nur beschleunigt. Wirklich verstehen, was da eigentlich passiert im Smartphone, im Laptop oder der Spielekonsole, verstehen jedoch die wenigsten. Laut einer Bitkom-Studie aus dem Jahr 2017 (eine jüngere gibt es nicht) kann gerade mal jeder 10te Jugendliche in Deutschland rudimentär Programmieren, also eine Website entwickeln oder eigene Programme schreiben. Die anderen 9 konsumieren digitale Apps, Medien und Spiele, hinterfragt wird wenig. 5 Gründe, warum Kinder schon im frühen Alter Programmieren lernen sollten, findet ihr deshalb hier:

1. Programmierkonzepte verstehen heißt Mitgestalten!

Jedes Kind versteht intuitiv, wie ein iPad oder Smartphone bedient wird. Von klein auf wachsen Kinder heutzutage mit neuen Technologien und Apps mit. Wie jedoch die Hardware und die Programme funktionieren, welche psychologischen Mechanismen in der Instagram App greifen oder wieso Handyspiele süchtig machen können, verstehen nur wenige. Wie auch, in der Schule wird sowas ja nicht beigebracht – vorwerfen kann man es ihnen nicht.

Wenn Kinder jedoch verstehen, wie eine App programmiert wird, wie Frontend und Backend miteinander agieren oder was mit ihren Daten gemacht wird, können sie sich dagegen wehren, ihre eigenen Ideen umsetzen und zum aktiven Mitgestalter ihres digitalen Alltags werden. Und mitgestalten bedeutet in unser sich zunehmend digitalisierten Welt auch, ihre Zukunft nach ihren Wünschen und Vorstellungen zu verändern.

2. Programmieren ist für alle Berufe relevant

Immer noch herrscht vielerorts der Irrglaube, dass nur Informatiker:innen Programmieren können müssen. Doch in der EU benötigen schon jetzt 90% aller Jobs digitale Kompetenzen wie Programmieren oder Datenanalysen. Das bedeutet, dass jedes Kind Grundkonzepte der Programmierung wie Schleifen, Variablen und Funktionen schon einmal gesehen haben sollten, egal ob es später bei der Feuerwehr, in der Forschung oder dem Krankenhaus arbeiten will. Biolog:innen sagen mit Python dreidimensionale Formen von Proteinen vorher, Wirtschaftler:innen analysieren ihre Kundenstämme mit R. Kunsthistoriker:innen prüfen mit Software die Echtheit von Gemälden. Nicht jedes Kind muss der nächste Bill Gates werden. Ein Grundverständnis für Programmiersprachen wird aber niemandem schaden, und je früher man damit anfängt, desto besser.

3. Programmieren fördert die Kreativität

Kinder sind von Grund auf kreativ, sie denken sich magische Welten aus, träumen von Drachen und Burgen. Was, wenn man ihnen ein Werkzeug geben könnte, ihre Träume, Ideen und Spiele in die Wirklichkeit umzusetzen? Mit visuellen Drag+Drop Sprachen wie Scratch und Blockly oder „echten“ Programmiersprachen wie Python, JavaScript oder C++ bekommen Kinder Werkzeuge in die Hand, mit denen sie genau diese Vorstellungen umsetzen können. Durch das kreative, konzeptionelle Arbeiten kann dein Kind mit wenigen Mitteln etwas völlig Neues schaffen.

4. Programmieren fördert das selbstständige und lösungsorientierte Denken

Doch wo fängt man an, wenn man eine Idee hat und diese technisch umsetzen will? Gerade am Anfang eines Projekts werden zunächst komplexe Probleme in der Realisierung der Idee auftreten, die analysiert werden müssen. Doch genau dieser Prozess – Problem identifizieren, analysieren, kreative Lösungsansätze recherchieren, sich externe Unterstützung holen, und Lösungswege auszuprobieren – ist nicht nur in der Informatik, sondern auch in vielen anderen alltäglichen Hindernissen hilfreich. Durch selbständiges Programmieren und Problemlösen werden Kinder schon früh an eine offene Fehlerkultur und lösungsorientiertes Denken herangeführt.

 5. Programmieren ist so gefragt wie nie! 

Zu guter Letzt ist Programmieren eine der gefragtesten Kompetenzen unserer heutigen Zeit. In dem „The Future of Job Report 2020“ des World Economic Forums trafen führende Wirtschaftsexperten Vorhersagen über die relevantesten beruflichen Kompetenzen im Jahr 2025: Wen wundert es, dass Programmieren unter den Top 10 Kompetenzen auftaucht. Gleichzeitig werden jedoch in der EU 2025 1,65 Millionen IT-Stellen unbesetzt bleiben. Diese Lücke zwischen Angebot und Nachfrage nach geschulten IT-Fachkräften, die als „Digital Talent Gap“ bezeichnet wird, wird seit Jahrzehnten größer – von Änderungen in der Bildungspolitik passiert jedoch nur wenig. Gerade mal in 5 Bundesländern wird Informatikunterricht verpflichtend angeboten, alle anderen gehen leer aus.

Um dieses Problem zu lösen, entstehen immer mehr private Bildungsanbieter, die Kindern und Jugendlichen spielerisch Programmieren beibringen. Ob als cooles Nachmittagshobby, Vorbereitung für den Job oder einfach nur digitaler Spaß – den Kindern scheint es zu gefallen.

Unser Fazit: Jeder Mensch und jedes Kind sollte Grundkonzepte der Programmierung verstehen, weil unser Alltag schon jetzt massiv dadurch beeinflusst wird. Programmieren verstehen heißt unsere Welt mitgestalten. Und jedes Kind sollte die nötigen Mittel an die Hand bekommen, seine Welt und Zukunft so zu gestalten, wie es sie sich vorstellt.

Quellen:

Bitkom e.V. (2017) – Nur jeder zehnte Jugendliche kann Programmieren
Europäische Komission (2020) – Digital Skills and Jobs
World Economic Forum (2020) – The Future of Jobs Report 2020

Über Antonia

Antonia ist Co-Gründerin und leitet das Marketing und die Finanzierung von codary. Nach dem Bachelor-Studium an der Technischen Universität Berlin zog es die Ur-Berlinerin für ihren CEMS Management Master in die Sonne Lissabons und den frischen Nordwind Kopenhagens. Während ihres Studiums arbeitete sie im Marketing bei dem Startup CleverShuttle, in der Geschäftsentwicklung der Daimler AG und der Konzernleitung der Deutschen Bahn. In ihrer Freizeit schnappt sie sich ein Buch, joggt durch Brandenburg oder schwingt den Pinsel.